
Ein neues Spiel soll installiert werden. Es wird länger gespielt als abgemacht. Das Kind möchte Geld dafür ausgeben – oder es spielt mit Leuten, die Sie nicht kennen.
Hinter der einen Frage, ob das Kind das spielen darf, stecken in Wirklichkeit vier ganz verschiedene: Passt das Spiel zum Alter? Wie lange ist genug? Was kostet es? Und mit wem redet mein Kind dabei? Im Streit fallen sie zusammen, beantworten lassen sie sich nur einzeln – in dieser Reihenfolge.
Die farbigen Zeichen auf der Packung vergibt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Sie sind keine Empfehlung, sondern eine gesetzliche Freigabe: Ein Händler darf ein Spiel mit „ab 16“ nicht an eine Zwölfjährige verkaufen.
| Kennzeichen | Bedeutung |
|---|---|
| USK 0 | Ohne Altersbeschränkung |
| USK 6 | Freigegeben ab 6 Jahren |
| USK 12 | Freigegeben ab 12 Jahren |
| USK 16 | Freigegeben ab 16 Jahren |
| USK 18 | Keine Jugendfreigabe |
Drei Dinge sind daran wichtig, und sie werden regelmäßig übersehen:
Die Freigabe beurteilt den Inhalt, nicht die Eignung. „Ab 12“ heißt: Es spricht aus Sicht des Jugendschutzes nichts dagegen. Es heißt nicht, dass das Spiel gut ist, dass es Ihrem Kind gefällt oder dass es zu ihm passt. Über die Qualität sagen die Kennzeichen nichts aus – dafür gibt es pädagogische Beurteilungen, etwa beim Spieleratgeber NRW, wo Medienpädagoginnen und Medienpädagogen Spiele gemeinsam mit Kindern testen.
Sie sagen nichts über Kosten, Chats und Spieldauer. Ein Spiel kann ab sechs Jahren freigegeben sein und trotzdem einen offenen Chat, Kaufaufforderungen und kein Ende haben. Genau diese drei Punkte sind im Familienalltag meistens das größere Thema als die Freigabe.
Viele Spiele tragen gar kein USK-Kennzeichen. Reine Online- und App-Spiele werden häufig nicht von der USK geprüft, sondern tragen eine Einstufung des jeweiligen App-Stores. Die entsteht überwiegend automatisch aus Angaben des Anbieters und ist mit einer USK-Freigabe nicht gleichzusetzen.
Trägt ein Spiel ein USK-Kennzeichen, lässt sich die Freigabe jederzeit nachschlagen: in der Prüfdatenbank der USK. Der Blick lohnt auch bei bekannten Titeln – die Einstufung kann sich mit einer neuen Fassung des Spiels ändern.
Eine allgemeingültige Stundenzahl gibt es auch hier nicht. Die üblichen Richtwerte nach Alter stehen unter wie viel Bildschirmzeit in welchem Alter sinnvoll ist; ob ein festes Tageslimit oder ein Wochenkontingent besser zu Ihrer Familie passt, vergleicht der Artikel feste Bildschirmzeiten oder flexible Kontingente.
Für Spiele kommt eine Besonderheit dazu: Die vereinbarte Zeit und der Spielstand passen selten zusammen. Wer mitten in einer Runde aufhören muss, verliert je nach Spiel den Fortschritt der letzten halben Stunde – und manchmal wird das Team gleich mit bestraft. Ein Kompromiss, der viel Streit erspart: bis zum Ende des Levels oder der Runde, aber nicht bis zum Ende des Abends.
Videos haben ein Ende, Spiele oft nicht. Drei Eigenschaften machen den Unterschied:
Bei jüngeren Kindern, in der Grundschule allemal, sollten Online-Spiele mit fremden Mitspielern nur in Begleitung laufen. Und wenn der Streit ums Abschalten zum täglichen Ritual geworden ist, hilft was statt Wegnehmen wirklich funktioniert weiter – der häufigste Rat, einfach alle Geräte einzuziehen, geht gerade bei Älteren nach hinten los.
Wenn Sie unsicher sind, ob das Spielen ein Maß erreicht hat, das Ihnen nicht mehr geheuer ist, ordnet Ist mein Kind handysüchtig? die Anzeichen ein. Dort steht eine Checkliste für die erste Einschätzung – und dort stehen die Stellen, an die Sie sich wenden können.
Viele Online-Spiele kosten zunächst nichts – verdient wird später, an Erweiterungen, zusätzlichen Spielrunden oder Gegenständen, die den Erfolg beschleunigen. Dieses Modell heißt Freemium: Der Einstieg ist kostenlos, bezahlt wird im Spiel.
Zwei Punkte sollten Kinder verstanden haben, bevor sie so ein Spiel installieren:
Das ist echtes Geld. Spielwährungen mit eigenen Namen verschleiern das, und genau dafür sind sie gemacht. Wer für 1.000 Kristalle bezahlt, bezahlt nicht in Kristallen.
Werbung sieht im Spiel oft aus wie Spiel. Gerade jüngere Kinder erkennen nicht, dass ein bunter Knopf ein kommerzielles Angebot ist. Achten Sie darauf, dass Spiele möglichst werbefrei sind oder die Werbung wenigstens deutlich gekennzeichnet ist.
Rechtlich können Minderjährige ohne Einwilligung der Eltern keine wirksamen Verträge schließen, aus denen Kosten entstehen. Was ein Kind vom eigenen Taschengeld bezahlt, ist davon ausgenommen. In der Praxis nützt Ihnen das wenig, wenn die Zahlungsdaten im Konto hinterlegt sind – deshalb gehört die Kaufsperre im App-Store oder auf der Konsole zu den ersten Einstellungen, nicht zu den letzten.
Viele Online-Spiele verlangen eine Registrierung. Hier gilt: weniger ist mehr. Eine eigene E-Mail-Adresse nur für solche Anmeldungen, ein Name, der keine Rückschlüsse zulässt, kein eigenes Foto als Profilbild. Wer ein Konto nicht mehr nutzt, kann grundsätzlich die Löschung der personenbezogenen Daten verlangen.
Der Chat ist der Punkt, der am häufigsten unterschätzt wird. Viele Spiele bringen einen mit – für Absprachen im Team gedacht, aber offen für alle. Für jüngere Kinder gehört er ausgeschaltet. Ältere sollten wissen, dass hinter einem Account jeder stecken kann und dass persönliche Daten dort nichts verloren haben. Beleidigungen und Belästigungen melden Sie dem Betreiber, in schweren Fällen jugendschutz.net.
Vorsicht auch bei der Aufforderung, das Spiel mit einem Konto in einem sozialen Netzwerk zu verbinden. Die Belohnung dafür ist klein, der Zugriff auf Profil und Freundesliste dauerhaft.
Am zuverlässigsten daran, dass Sie es kennen. Lassen Sie sich das Spiel zeigen und probieren Sie es einmal selbst aus – oft reichen schon zehn Minuten für einen Eindruck, den keine Altersangabe liefern kann. Nebenbei erfahren Sie, was Ihr Kind daran fasziniert, und das ist die Grundlage dafür, dass es sich auch dann meldet, wenn im Spiel etwas passiert, das ihm unangenehm ist.
Suchen Sie neue Spiele möglichst gemeinsam aus. Ein Spiel, bei dem das Kind mitentschieden hat, muss seltener verteidigt werden – und über eines, das Sie beide kennen, lässt sich streiten, ohne dass es gleich ums Prinzip geht.