Mediennutzung – Wie viel Zeit ist für Kinder und Jugendliche ok?

Wie lange sollen Kinder und Jugendliche vor Pc und Smartphone verbringen?

Wer kennt das nicht: Vor dem Bildschirm kann man viel Zeit verbringen und diese auch schnell einmal vergessen. Auch für Kinder und Jugendliche ist das Surfen, Chatten und Spielen sowie die Nutzung des Smartphones sehr reizvoll. Doch wie viel Mediennutzung ist in Ordnung? Diese Frage stellen sich die meisten Eltern und verbinden mit dieser gleich noch ganz andere Themen: Hobbys, Freundschaften, Hausaufgaben, Abhängigkeiten, Spielsucht und viele mehr. Doch jedes Kind geht anders mit den digitalen Medien um – je nach Lebenssituation, Umfeld und damit auch Vorbildern, kann die Motivation für die Nutzung eine andere sein. Ein pauschale Antwort oder konkrete Zeitvorgaben für eine „gesunde“ Nutzungsdauer gibt es somit nicht. Was es aber gibt sind hilfreiche Tipps und Empfehlungen sowie Richtlinien zur Mediennutzung und -dauer.

Alle Bildschirmgeräte berücksichtigen

Kinder und Jugendliche verbringen nicht nur Zeit vor dem Computer sondern auch beim Fernsehen, mit Spielkonsolen, Tablets oder dem Smartphone. Daher sollten Sie die gesamte Nutzungsdauer digitaler Medien, die sogenannte Bildschirmzeit, im Blick haben.

Mediennutzung begrenzen – aber sinnvoll

Eine Vereinbarung von Zeitkontingenten ist in jedem Fall sinnvoll und verringert wiederkehrende Diskussionen und Streit. Vorteile bringt ein Wochenbudget mit sich, also eine festgelegte Anzahl an Stunden, die ihr Kind innerhalb einer Woche vor dem Bildschirm verbringen darf. Zum einen ist es nicht zielführend, wenn das Kind z.B. bei einer Informationssuche im Internet mittendrin den Computer ausschalten soll. Zum anderen hat es so die Möglichkeit, die Zeiten flexibel einzuplanen und auch einmal Stunden aufzusparen, z.B. für einen längeren Film oder ein Computerspiel mit Freunden. Auf diese Weise fördern und fordern Sie gleichzeitig die Eigenverantwortung des Kindes bei der Einteilung seiner Medienzeiten. Ein tägliches, starres Zeitkontingent hingegen „zwingt“ die Kinder eher, die Zeit dann auch sofort zu nutzen weil sie ansonsten verfällt. Gleichzeitig werden die Medien durch diese Verknappung zu etwas Besonderem und bekommen somit eine Rolle im Alltag der Kids, die sie eigentlich gar nicht haben sollten.

Welche Bildschirmzeiten sind angemessen?

Die folgenden Zeiten sind Mittelwerte aus verschiedenen Empfehlungen (s. Quellenhinweise). Sie können Ihnen als Richtwerte dienen, sollten aber zudem im Zusammenhang mit der gesamten Lebenssituation festgelegt werden. Vor allem sollte berücksichtigt werden, wieviel Mediengebrauch in einer Familie üblich ist.

Alter empfohlene Bildschirmzeit pro Tag
0-3 Jahre am besten gar nicht
3-6 Jahre 30 min
6-9 Jahre 60 min

ab 10 Jahre ist keine Empfehlung mehr möglich, da sich hier die Nutzungsmuster stark unterscheiden. Vor allem muss die Nutzung für schulische Zwecke aus möglichen Nutzungszeiten wieder heraus gerechnet werden.

Kontrolle ist gut – Vertrauen aber auch

Um die Übersicht über das Zeitkontingent zu bewahren helfen bei den Kleinen optische Hilfsmittel wie Murmeln, die für eine bestimmte Minutenzahl stehen und entsprechend nach und nach aufgebraucht werden dürfen. Bei den Größeren können normale oder auch Eieruhren eingesetzt werden. Neben diesen Hilfsmitteln kann auch eine Software wie die Salfeld Kindersicherung eingesetzt werden. Hier können unterschiedliche Zeitlimits gesetzt werden oder Eltern können einfach nur prüfen, ob Vereinbarungen eingehalten worden sind. Alle diese technischen Hilfsmittel sind aber kein Ersatz für eine zwischen Ihnen und dem Kind besprochene Vereinbarung. In erster Linie kommt es auf die Medienerziehung an, auf eine Vertrauensbasis und für das Kind verständliche und klare Regeln- natürlich immer angepasst an das jeweilige Alter. Keinesfalls sollten solche technischen Fristen und Sperren heimlich eingerichtet werden.

Anlass und Gesamtsituation berücksichtigen

Die Nutzungsdauer sollte nicht ganz unabhängig vom Anlass bzw. der Art der Nutzung gesehen werden. Es ist ein Unterschied, ob ein Kind sich mit der Recherche für Hausaufgaben beschäftigt, Online spielt, mit Freunden kommuniziert, kreativ tätig ist oder sich von einer TV-Serien berieseln lässt. Aber auch beim Fernsehen muss zwischen wertvollen und weniger empfehlenswerten Inhalten unterschieden werden. Hat das Kind Interesse an anderen, ausgleichende Beschäftigungen, Zeit für Freunde, Sport usw., ist die Ausgangssituation ein andere, als wenn der Computer und/oder der Fernseher einen übergroßen Stellenwert für das Kind hat und dauerhaft im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Zeigen Sie Interesse – und gewinnen Sie Vertrauen

Gerade kleine Kinder sollten in bei der Mediennutzung begleitet werden. Sehen Sie sich Fernsehsendungen gemeinsam an. Nur so haben Sie die Möglichkeiten mit Ihrem Kind über das Gesehen zu sprechen und auch ggf. zu helfen, wenn es Zusammenhänge nicht versteht oder möglicherweise Szenen als beängstigend empfindet. Dasselbe gilt für die Nutzung des Computers und des Internets. Machen Sie erste Schritte gemeinsam und interessieren Sie sich bei den etwas älteren Kindern dafür, was genau sie mit Medien machen, welche Seiten sie im Internet besuchen und oder welche Spiele sie mögen. Probieren sie diese ruhig selbst aus. So verbringen Sie nicht nur gemeinsame Zeit sondern haben die Chance, gleich auf mögliche Gefahren hinzuweisen.

Bildschirmfreie Zeiten – attraktives Alternativprogramm und gemeinsame Zeit

Ausreichend Zeit für die für Schule und eine ausgewogene Freizeitgestaltung sollten in jedem Fall vorhanden sein. Hobbys und soziale Kontakte außerhalb der digitalen Welt sind wichtig – nicht nur für Kinder. Zudem sollten Regeln aufgestellt, wann Smartphone & Co. ausgeschaltet werden, z.B. beim Essen, bei den Hausaufgaben und vor dem Schlafen gehen. Auch ein bildschirmfreier Tag für die ganze Familie kann eingeführt werden. So könnte man sonntags beispielsweis einen gemeinsamen Spiele- oder Ausflugstag einrichten, lesen, chillen oder was gerade für das jeweilige Kind in seiner Altersklasse attraktiv ist.

Wann wird es zu viel?

Auch auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Das Verhalten des Kindes muss in Gesamtkontext gesehen und vor allem auf Veränderungen geachtet werden. Ein temporäres Verlangen nach mehr Zeit kann mit einem neuen, spannenden Spiel zusammenhängen und muss nicht gleich bedenklich sein oder zu einer Anhängigkeit führen. Wenn Sie als Eltern aber merken, dass Ihr Kind sich verändert, seine Pflichten, wie z.B. die Hausaufgaben nicht mehr erfüllt, andere Aktivitäten, Hobbys oder seine Freunde vernachlässigt. Wenn dies der Fall ist oder Sie unsicher sind, ob Ihr Kind gefährdet oder gar abhängig ist, kann Ihnen die Checkliste von klicksafe.de für eine erste Einschätzung helfen.
Klicksafe.de rät dazu professionelle Hilfe zu suchen, falls drei oder mehr Fragen mit Ja beantwortet werden und die die Merkmale bei Ihrem Kind über einen längeren Zeitraum auftreten.

  • Haben sich die Bildschirmzeiten stetig gesteigert?
  • Hat Ihr Kind die Kontrolle über die Zeit vor dem Bildschirm verloren?
  • Kreisen die Gedanken Ihres Kindes stets um Computer, Konsole, Handy oder Internet auch während anderer Beschäftigungen?
  • Spielt, chattet oder surft es teilweise bis spät in die Nacht?
  • Zieht Ihr Kind sich zunehmend von Familie und Freunden zurück?
  • Fällt es Ihrem Kind häufig schwer, aufzuhören oder die Bildschirmzeiten zu begrenzen, sei es auch nur tageweise?
  • Wirkt Ihr Kind nervös, gereizt oder depressiv, wenn es auf Computer, Konsole, Handy oder Internet verzichten muss?
  • Verdrängen digitale Angebote frühere Interessen oder Hobbies, haben sich schulische Leistungen deutlich verschlechtert?
  • Verzichtet Ihr Kind auf Mahlzeiten, um zu Spielen, zu Surfen oder das Handy zu nutzen?
  • Hat Ihr Kind stark zu- oder abgenommen? Ist es übermüdet?
  • Verbringt Ihr Kind trotz erkennbarer negativer Folgen immer mehr Zeit vor dem Bildschirm?
  • Nutzt Ihr Kind Konsole, Internet oder Handy vermehrt dazu, Gefühle wie Ärger oder Wut abzubauen oder Probleme zu verdrängen?

Zu guter Letzt: Vorbild sein

Sie als Eltern sollten sich unbedingt Ihrer Vorbildfunktion bewusst sein! Gibt es auch bei Ihnen bildschirmfreie Zeiten? Ist das Smartphone beim gemeinsamen Essen dabei? Können Sie die neu eingehende Nachricht auf Ihrem Smartphone ignorieren, wenn Sie gerade im Gespräch mit Ihrem Partner oder Kind sind? Gehen Sie mit Ihren eigenen Nutzungsgewohnheiten kritisch um und verlangen Sie nichts, was Sie nicht selbst umsetzen können.

Quellen: klicksafe.de, www.mpfs.de, www.schauhin.de, www.internet-abc.de
Weiterführende Infos finden Sie außerdem bei Handysektor.de, flimmo.de (Programmberatung für Eltern, auch als App verfügbar) und saferinternet.at

Eine kostenlose Testversion der Kindersicherung (für Windows-PCs und Android Handys) finden Sie bei den Downloads.

claudia-spohr-100 Claudia Spohr, Dipl. Betriebswirtin, ist zertifizierter Internet Medien Coach (TÜV, Verein SICHERES NETZ HILFT e.V.), Unternehmerin, tätig in der IT-Branche sowie als Referentin, Trainerin und Autorin. Sie ist Mutter von 2 Kindern.
Salfeld Die Salfeld GmbH beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Kinder- und Jugendschutz Lösungen. Software wie die Kindersicherung (PC) sowie die App Chico Browser (Mobilgeräte) bieten umfangreiche Einstellungen für geregelte Nutzungszeiten und sicheres Surfen.