
TikTok setzt in seinen Nutzungsbedingungen ein Mindestalter von 13 Jahren. Das Alter wird bei der Anmeldung abgefragt, aber nicht überprüft – wer ein früheres Geburtsjahr einträgt, kommt durch. In der Praxis heißt das: Die Altersgrenze ist eine Regel, keine Sperre.
Das Internet-ABC formuliert die Empfehlung deutlicher als die Nutzungsbedingungen: TikTok sei kein Programm für Kinder und solle unter 13 Jahren nicht genutzt werden.
Für die Entscheidung zu Hause ist deshalb weniger die Zahl wichtig als das, was daran hängt. Denn TikTok schränkt jüngere Konten von sich aus ein – aber nur, wenn das angegebene Alter stimmt. Ein Kind, das sich als Erwachsener anmeldet, bekommt auch die Einstellungen für Erwachsene.
Diese Voreinstellungen greifen ohne Zutun der Eltern, sobald das Konto ein Alter unter 16 beziehungsweise unter 18 Jahren angibt:
| Unter 16 Jahren | Das Konto ist automatisch auf privat gestellt. Kommentare sind in den Standardeinstellungen abgeschaltet und lassen sich höchstens auf „Freunde“ öffnen. „Duett“, „Stitch“ und das Vorschlagen des Kontos an andere sind deaktiviert. Videos können von anderen nicht heruntergeladen werden. |
| Unter 18 Jahren | „Duett“ und „Stitch“ sind in den Standardeinstellungen auf Freunde begrenzt, Downloads durch andere abgeschaltet. Livestreams sind erst ab 18 Jahren und mindestens 1.000 Followern möglich. Coins und virtuelle Geschenke ebenfalls erst ab 18. |
Das ist mehr Schutz, als viele Eltern vermuten – und genau deshalb ist das eingetragene Geburtsdatum kein Detail. Wenn Sie eines prüfen, dann dieses.
Wer nur zuschauen will, braucht kein eigenes Konto. Dann greift allerdings auch keine dieser altersabhängigen Voreinstellungen, weil TikTok in dem Fall kein Alter kennt – ohne Konto ist also nicht automatisch die vorsichtigere Variante.
TikTok zeigt keinen Kanal, dem man folgt, sondern einen Strom, der sich nach jedem Video neu berechnet. Es gibt kein Ende der Seite, keinen Abspann und keine Stelle, an der etwas fertig ist. Das ist kein Zufall, sondern der Aufbau.
Für Eltern ist daran zweierlei wichtig. Erstens: „Noch schnell zu Ende schauen“ gibt es hier nicht – ein Zeitlimit muss mitten hinein schneiden, und das fühlt sich für das Kind immer willkürlich an. Zweitens: Was das Kind sieht, hat niemand ausgewählt, den Sie fragen könnten. Der Feed richtet sich danach, wie lange das Kind bei einem Video bleibt, was es weiterscrollt und was es noch einmal ansieht.
Die wichtigsten liegen nicht alle dort, wo Eltern sie vermuten.
Kontaktaufnahme mit Hintergedanken. Cybergrooming – Erwachsene, die Kontakt suchen, um an persönliche Informationen oder Bilder zu kommen – steht bei den Beratungsstellen weit oben. Ein privates Konto ist dagegen der wirksamste einzelne Handgriff.
Kommentare und Anfeindungen. Unter einem öffentlichen Video sammeln sich Kommentare von Fremden, und die Tonlage kann von einem Tag auf den anderen kippen. Deshalb sind Kommentare bei jüngeren Konten voreingestellt aus – eine Einstellung, die man besser nicht öffnet, weil sie gerade lästig ist.
Inhalte, die nicht für Kinder gedacht sind. Über den Feed sind Drogen, sexualisierte Darstellungen und Verweise auf Erwachsenenplattformen erreichbar, ohne dass jemand danach gesucht hätte.
Gefährliche Challenges. Mutproben verbreiten sich schnell und wirken durch die Menge der Nachahmer harmlos. Es lohnt sich, das Thema anzusprechen, bevor es aktuell wird – nicht danach.
Schönheitsideale und Selbstdarstellung. Bearbeitete Körperbilder sind auf TikTok die Norm, nicht die Ausnahme. Das trifft besonders Jüngere, die noch keinen Vergleichsmaßstab haben.
Kosten. Coins, mit denen man anderen Geschenke schickt, sind erst ab 18 vorgesehen – ein falsch angegebenes Alter hebelt das aus. Sperren Sie In-App-Käufe direkt im App-Store oder auf dem Gerät, dann ist die Frage erledigt, unabhängig davon, was TikTok annimmt.
Daten. Die App sammelt umfangreiche Nutzungs- und Gerätedaten und greift auf Wunsch auf die Kontaktliste zu. Was einmal dort ist, holt man nicht zurück.
Der Begleitete Modus (englisch Family Pairing) verknüpft Ihr Konto mit dem Ihres Kindes. Sie legen dann unter anderem fest:
Außerdem sehen Sie, wem Ihr Kind folgt und welche Konten es blockiert hat. Für Konten unter 16 Jahren erinnert TikTok ab 22 Uhr von sich aus daran, Schluss zu machen.
Was Sie nicht sehen, ist genauso wichtig zu wissen: Welche Videos Ihr Kind anschaut und was in seinen Nachrichten steht, bleibt ihm. Der Begleitete Modus setzt einen Rahmen, er überwacht nicht – und es ist gut, wenn Ihr Kind das weiß, bevor Sie ihn einrichten. Heimlich eingerichtete Kontrolle kostet mehr Vertrauen, als sie an Sicherheit bringt.
Ein Zeitlimit in TikTok gilt außerdem nur für TikTok. Wie sich Bildschirmzeit über alle Apps und Geräte hinweg zählen lässt, steht unter mehrere Geräte, ein gemeinsames Zeitlimit.
Diese vier Punkte sind in wenigen Minuten eingestellt:
Sehen Sie sich TikTok einmal gemeinsam an. Schon zehn Minuten vermitteln genug, um mitreden zu können – und Ihr Kind erklärt Ihnen die App oft erstaunlich gern. Das ist kein pädagogischer Trick, sondern schlicht der Zugang: Wer nie darüber spricht, erfährt auch nicht, wenn etwas passiert ist.
Verbote allein tragen selten weit, besonders wenn TikTok im Freundeskreis längst dazugehört. Tragfähiger sind vereinbarte Regeln – welche Videos in Ordnung sind und welche nicht, dass Wohnort, Schule und Schulweg in keinem Video vorkommen und dass andere Personen vor dem Hochladen gefragt werden. Aufgeschrieben und unterschrieben halten solche Regeln besser: Die 10 goldenen Regeln gibt es dafür zum Ausdrucken – mit eigenen Punkten zu persönlichen Daten in Chats, zur Privatsphäre im Profil und dazu, andere vor dem Hochladen zu fragen.
Zwei rechtliche Punkte gehören in dieses Gespräch, weil sie Kinder regelmäßig überraschen. Die Musik, die TikTok zur Verfügung stellt, ist für TikTok lizenziert – dasselbe Video auf YouTube oder Instagram hochzuladen, ist etwas anderes. Und das Recht am eigenen Bild gilt auch unter Freunden: Wer andere filmt, braucht ihr Einverständnis, bevor er es veröffentlicht.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass es nicht mehr um die Menge geht, sondern darum, dass sonst nichts mehr zieht, hilft Ist mein Kind handysüchtig? beim Einordnen.